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Tobias Hentze

Studentisches Praktikum vom 17.02.2014 - 11.04.2014

Mein Name ist Tobias Hentze, ich bin 22 Jahre alt und studiere Politik- und Rechtswissenschaften an der Universität Bremen. Von Februar bis April habe ich ein Praktikum im Bundestagsbüro von Bettina Hornhues absolviert, von dem ich hier berichten möchte:

Die Zusage für das zweimonatige Praktikum erreichte mich Mitte Dezember 2013. Mein Arbeitsplatz sollte in der Wilhelmstraße 60 sein, direkt neben dem Hotel Adlon. Auf jeden Fall etwas anderes als das Gebäude GW2 auf dem Campus der Bremer Uni, dachte ich aufgeregt. Nach der ersten Euphorie kam jedoch die Ernüchterung, denn erst einmal wollten alle Prüfungen in der Uni bestanden werden.

Dann ging aber plötzlich alles ganz schnell und der erste Arbeitstag in Berlin war gekommen: 8.45 Uhr. Touristen fotografieren die Sehenswürdigkeiten im Regierungsviertel. Da ich es immer noch nicht ganz glauben konnte, dass ich nun zwei Monate in der Hauptstadt leben und arbeiten würde, muss auch ich noch schnell ein Foto vom Brandenburger Tor schießen. „Vielleicht die letzte Gelegenheit!“, dachte ich mir. Anschließend ging ich zögernd auf die Tür zum Bürogebäude zu. Ich fragte mich, ob ich den anstehenden Aufgaben gewachsen sein würde. War dies nicht der Deutsche Bundestag? Der Ort wo die Gesetze gemacht werden und über den so viel berichtet wird? Aber zu spät, denn inzwischen hatte ich die Tür erreicht und ich war von nun an für eine gewisse Zeit Mitarbeiter im Büro von Frau Hornhues.

Fraktion, Landesgruppe, Ausschuss und Plenardebatte. Von diesen und vielen anderen Dingen, die den Deutschen Bundestag betreffen, hatte ich natürlich in meinem Studium gehört und konnte sie wie selbstverständlich auch erklären. Bereits an meinem ersten Tag in Berlin habe ich aber gemerkt, dass diese Institutionen ihre eigenen Spielregeln besitzen und auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Leben gefüllt werden müssen. Beginnend mit der straffen Organisation einer Sitzungswoche und den festgefügten Terminen der Abgeordneten bis hin zu der Vorbereitung der einzelnen Gremien, war diese praktische Welt etwas Neues für mich. Zusätzlich lernte ich schnell, dass es sehr viele ungeschriebene Regeln und Grundsätze im Umgang zwischen den unterschiedlichen Abgeordneten einer Fraktion, aber auch in der Beziehung zu anderen Fraktionen gibt. Dennoch konnte ich mich durch mein Vorwissen aus Studium und politischer Erfahrung in die Abläufe einarbeiten und schnell einen Überblick gewinnen.

Die CDU/CSU-Fraktion besteht derzeit aus 311 Abgeordneten. Die Größe der Fraktion wirkt sich direkt auf die Arbeitsweise der einzelnen Abgeordneten aus. So können die Abgeordneten von CDU und CSU viel detaillierter auf bestimmte Themenbereiche eingehen und verschiedene Aspekte beleuchten.   Besonders interessant war es daher für mich zu sehen, wie die parlamentarische Arbeit der Abgeordneten organisiert wird und wie die vielfältigen inhaltlichen Abstimmungsprozesse ineinandergreifen und letztlich in einer Plenardebatte münden. Vor diesem Hintergrund freue ich mich, dass mein Praktikum in die Zeit von Frau Hornhues erster Rede im Deutschen Bundestag fiel und ich hautnah erleben konnte, wie die Vorbereitungen abliefen, zu denen ich auch einen kleinen eigenen Beitrag leisten konnte.

Neben den Aufgaben im Büro von Frau Hornhues hatte ich auch die Gelegenheit an dem Praktikantenprogramm der CDU/CSU-Fraktion teilzunehmen. Hier wurden Besichtigungen, wie die des Bundesrates und der Hauptstadtstudios von ARD und ZDF, angeboten. Gleichzeitig wurden aber auch Diskussionsrunden mit Politikern organisiert. So hatten die anderen Praktikanten und ich die Gelegenheit mit dem Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Volker Kauder und vielen weiteren Gesprächspartnern zu diskutieren und ihnen in einem kleinen Kreis Fragen zu stellen. Besonders hier habe ich gemerkt, dass das Meinungsbild innerhalb einer Fraktion nicht einheitlich ist und dass stets um eine mehrheitsfähige Position zwischen verschiedenen Gruppen gerungen wird. Das durch die Medien gezeichnete Bild einer homogenen Gruppe von Abgeordneten, die stets die Linie des Fraktionsvorsitzenden befolgt, trifft nicht zu.

Nach den ersten Wochen mit vielen aufregenden und neuen Eindrücken stellte sich der Arbeitsalltag ein und ich merkte: Auch im Deutschen Bundestag, dem Ort wo Gesetze beschlossen werden und über den so viel berichtet wird, wird nur mit Wasser gekocht. Nun konnte ich mich auf die inhaltliche Arbeit einlassen. Als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beschäftigt sich Frau Hornhues unter anderem mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit diesem familienpolitischen Aspekt hatte ich mich persönlich bisher nur am Rande beschäftigt. Durch das Praktikum habe ich dementsprechend auch gelernt, mich in ein völlig neues Politikfeld einzuarbeiten und die bundesdeutsche Familienpolitik in einem anderen Licht zu sehen.

Auch wenn meine Zeit im Büro von Frau Hornhues nun endet und es für mich zurück an die Weser und damit auch auf die Zielgrade des Studiums geht, hat mich die Faszination für die Arbeit im Deutschen Bundestag und für die Hauptstadt nicht verlassen. Mittlerweile besitze ich Fotos vom Brandenburger Tor in allen Varianten: Bei Sonne, bei Regen, im Nebel, mit Menschen, ohne Menschen, von vorne, von der Seite oder auch beleuchtet bei Nacht. Wie die Vielfalt dieser Bilder habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen für mein Studium und meine ehrenamtliche politische Arbeit gesammelt, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Ich bedanke mich daher bei Frau Hornhues und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die spannende Zeit in Berlin und wünsche ihr weiterhin viel Erfolg für die politische Arbeit im Deutschen Bundestag.